
Viele Prüfpunkte, ein klares Ziel: Immobilienbewertungen effizienter plausibilisieren – Interview mit Christian Lehmann
Software
10. Sept. 2026

Bei der Erstellung und Prüfung von Immobilienbewertungen liegt das Fehlerpotenzial häufig weniger in der Berechnung als in der Qualität und Plausibilität der zugrunde liegenden Daten. Gleichzeitig wächst der Bedarf, Prüfprozesse effizienter und risikoorientierter zu gestalten.
Kurzerhand haben wir Christian Lehmann, CEO der Beratungsgesellschaft vdpConsulting AG, zu einem kleinen Interview eingeladen. Er hat mit uns darüber gesprochen, wo die größten Herausforderungen bei der Plausibilisierung liegen, wie der vdpC Valuation Score dabei unterstützt und welches Potenzial Künstliche Intelligenz für die Wertermittlung künftig bietet.
on-geo: Wo liegt das größte Fehlerpotenzial bei der Erstellung von Immobilien-Kurzgutachten?
Christian Lehmann: Das größte Fehlerpotenzial liegt weniger in der eigentlichen Rechenmechanik als vielmehr in der Qualität, Vollständigkeit und Plausibilisierung der Bewertungsgrundlagen. Gerade im Kleindarlehensbereich treffen hohe Stückzahlen auf umfangreiche fachliche und regulatorische Anforderungen. Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob der ermittelte Wert rechnerisch nachvollziehbar ist, sondern auch, ob die zugrunde gelegten Annahmen, Marktdaten, Objektinformationen und Bewertungsparameter schlüssig sind.
Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Dokumentation: Viele Prüfungsfeststellungen entstehen nicht ausschließlich aufgrund eines falschen Bewertungsergebnisses, sondern weil relevante Annahmen oder Entscheidungen nicht ausreichend oder schlüssig begründet wurden. Die eigentliche Herausforderung besteht daher darin, aus einer Vielzahl von Daten, Annahmen und regulatorischen Anforderungen diejenigen Bewertungen zu identifizieren, bei denen tatsächlich ein erhöhter Prüfungsbedarf besteht.
Genau hier setzt der vdpC ValuationScore an. Er führt standardisierte Vorprüfungen durch und analysiert Wertermittlungen auf formelle und inhaltliche Plausibilität. Inkonsistenzen werden systematisch sichtbar gemacht, sodass der Prüfungsaufwand risikoorientiert gesteuert werden kann. Der ValuationScore ersetzt jedoch nicht die fachliche Entscheidung des Gutachters. Er unterstützt insbesondere im Rahmen der Stichprobenprüfung nach §24 BelWertV, der Prüfung vorgelegter externer Bewertungen oder, aufgrund des demographischen Wandels, im Rahmen einer institutsindividuellen, freiwilligen Qualitätssicherung für Personalentwicklungszwecke.
on-geo: Wie viel Automatisierung ist bei der Plausibilisierung von Wertgutachten heute schon möglich?
Christian Lehmann: „Automatisierung entscheidet, wo der Gutachter genauer hinschauen sollte.“
Bei der Plausibilisierung von Wertgutachten ist heute bereits sehr viel Unterstützung durch Automatisierung möglich – insbesondere dann, wenn die fachlichen Prüfanforderungen zuvor eindeutig definiert und standardisiert wurden.
Der vdpC ValuationScore zeigt das sehr konkret: Die fachliche Grundlage bildet ein Prüfkatalog mit rund 80 Kontrollpunkten. Diese fachlichen Anforderungen wurden in technisch interpretierbare Regeln und Datenstrukturen übersetzt, sodass die KI unterstützend Wertermittlungen auf formelle und inhaltliche Plausibilität analysieren kann.
Automatisiert geprüft werden können beispielsweise die Vollständigkeit und Konsistenz von Informationen, Bewertungsparameter und deren Dokumentation sowie Auffälligkeiten oder kritische Konstellationen innerhalb einer Wertermittlung. Auf diese Weise übernimmt die Technologie einen wesentlichen Teil der bislang manuellen Checklistenprüfung.
Gleichzeitig ermöglicht die Automatisierung eine risikoorientierte Steuerung des Prüfungsaufwands: Die knappen fachlichen Ressourcen müssen nicht mehr für jeden Fall in gleicher Intensität eingesetzt werden, sondern können sich auf Sonderfälle, Abweichungen und komplexe Bewertungen konzentrieren.
Die Grenze der Automatisierung liegt dort, wo Ergebnisse interpretiert, Besonderheiten fachlich eingeordnet und Entscheidungen getroffen werden müssen. Deshalb gilt für uns:
Unser Verständnis ist nicht ‚Mensch oder Maschine‘, sondern ein Zusammenspiel: Die KI übernimmt die strukturierte Vorprüfung und zeigt prüfungsrelevante Sachverhalte auf – das fachliche Urteil und die Verantwortung bleiben beim Menschen.
on-geo: Welches Problem in der Wertermittlung sollte Künstliche Intelligenz in Zukunft unbedingt lösen können?
Die KI der Zukunft sollte die richtigen Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen, Zusammenhänge und Auffälligkeiten erkennen und dem Gutachter zeigen, wo eine fachliche Würdigung erforderlich ist.
Das größte Potenzial von Künstlicher Intelligenz sehe ich künftig darin, komplexe und heute noch stark manuelle Prüf- und Datenprozesse durchgängig miteinander zu verbinden.
Heute liegt die Herausforderung häufig nicht darin, dass zu wenig Informationen vorhanden sind. Mitarbeitende müssen Informationen aus verschiedenen Quellen (Dokumenten, Anwendungen und Systemen) erfassen, miteinander abgleichen und anschließend beurteilen, ob sie konsistent und für die Wertermittlung relevant sind.
Genau hier sollte KI künftig einen Schritt weitergehen: Sie sollte relevante Informationen selbstständig aus Dokumenten erkennen, in strukturierte Daten überführen, mit vorhandenen Systemdaten abgleichen und daraus mögliche Widersprüche, Risiken und Auffälligkeiten ableiten.
Ein Beispiel dafür ist die Prüfung der Deckungsfähigkeit im Pfandbriefgeschäft. Perspektivisch können relevante Kriterien automatisiert aus Quelldokumenten abgeleitet und anschließend mit den Angaben im Kernbanksystem abgeglichen werden. Das zeigt, dass KI künftig nicht nur einzelne Gutachten prüfen, sondern komplette Prozessketten deutlich stärker automatisieren kann.
Dabei bleibt ein Grundprinzip entscheidend: KI sollte aus der Fachlichkeit heraus entwickelt werden und nicht umgekehrt. Die Technologie kann Komplexität reduzieren, Muster erkennen und große Datenmengen effizient verarbeiten. Die Interpretation und die abschließende Entscheidung bleiben jedoch Aufgabe der Gutachter.
Das Fazit am Ende: Standardisierung schafft die Grundlage, KI übernimmt die skalierbare Vorprüfung, der Mensch behält die fachliche Verantwortung.
on-geo: Vielen Dank, Christian Lehmann, für diese spannenden Einblicke!
Kurz gesagt: Die Technologie unterstützt, während die fachliche Verantwortung beim Menschen bleibt. Und wer sich selbst vom vdpC Valuation Score überzeugen möchte, kann unsere KI-gestützte Lösung zum Monatswechsel in Lora testen und direkt von den Möglichkeiten der automatisierten Plausibilisierungsunterstützung profitieren.
Noch mehr zu vdpC ValuationScore finden Sie hier: vdpC ValuationScore

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